Montag, 14. Mai 2018

Alles ist mit allem verbunden


Immer mehr Menschen fühlen sich einsam. Wenn wir jedoch die Achtsamkeit umlenken und unser Herz öffnen, dann erkennen wir, dass kein Mensch eine Insel ist und wir alle verbunden sind.

Kennst Du solche Momente: Du denkst an eine Freundin, die Du schon lange nicht mehr gesprochen hast – und plötzlich klingelt das Telefon und sie ist am Apparat. Oder Du träumst davon, dass dein Onkel stirbt und am nächsten Morgen erhältst Du einen Anruf deiner Mutter, indem sie Dir deinen Traum bestätigst.

Ich selbst kenne diese Augenblicke und manchmal erschrecken sie mich. Es ist dieser Moment, in dem ich erkenne, dass es so viel mehr gibt als das, was ich mit dem Auge sehe. Auf der anderen Seite finde ich es sehr schön und ich lerne nach und nach immer mehr in dieses Gefühl von Verbundenheit zu vertrauen.

Dieses Gefühl der Verbundenheit stellt sich aber nicht nur ein, wenn ich an Menschen denke, die ich liebe oder die mir freundschaftlich oder verwandtschaftlich nahestehen. Ich kann es auch mit all jenen herstellen, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Dazu braucht es nicht viel. Es reicht schon, wenn ich auf meinen Laptop schaue, auf dem ich gerade diesen Text schreibe. Wenn ich mein Herz dafür öffne, wie viele Menschen daran beteiligt waren, dass ich jetzt auf diesem Laptop schreiben kann, dann sind dies unendliche Dimensionen: Der Mensch, der den ersten PC entworfen hat; all jene Menschen, die den Computer weiterentwickelt haben bis hin zu der Form, wie er jetzt vor mir steht. Waren es 10.000 Menschen? 100.000 Menschen? 1 Millionen? Ich rede jetzt aber gerade nur von der Hardware. Es geht noch weiter: Die Computerprogramme, der Strom der dazu nötig ist, der Tisch auf dem der Laptop steht … Ich könnte diese Aufzählung also bis ins Unendliche fortführen. Denn ohne all diese Menschen wäre das Leben – auch wenn es viele Herausforderungen mit sich bringt – so nicht möglich!

Wenn ich mein Herz für diese Menschen öffne, erkenne ich noch etwas. Sie und ich sind auf einer Ebene alle gleich sind: wir alle wollen glücklich sein. Wir alle wollen geliebt werden. Wir alle möchten die Liebe, die wir in uns haben mit einem Menschen teilen. Wenn ich mich dafür öffne, das kann ich förmlich spüren, wie etwas in mir weicher und offener wird.

 Verbundenheit statt Isolation kultivieren

Auch wenn wir uns heute alle als sehr unabhängig und selbstständig bezeichnen, so sind wir doch voneinander abhängig. Und das viel mehr als uns bewusst ist. Ein anderes Beispiel: Ich habe heute schon ein köstliches Frühstück zu mir genommen: ayurvedischer Brei, Mandelmilich, grüner Tee, frisches Obst. Was für ein Geschenk. Auch hier bin ich mit so vielen Menschen verbunden, die dazu beigetragen haben, dass es mir an einem kalten Wintertag möglich ist, so gut zu frühstücken: Die Obstbauern, die Getreideanbauer und die Teebauer. Die Hersteller dieser Produkte. Die Bauunternehmen die dafür gesorgt haben, dass die ganzen Lebensmittel trocken gelagert werden konnten. Die Fahrzeughersteller, die dafür gesorgt haben, dass diese Lebensmittel von A nach B transportiert wurden. Die Autobahnbauer. Der Tankwart. Der Bioladen, der gebaut werden musste. Der Besitzer des Ladens, der sich getraut hat einen Bioladen zu eröffnen..

Du siehst, auch hier könnte ich die Kette unendlich lang werden lassen.

Ich selbst bin immer wieder zutiefst berührt, wenn mir diese Verbindung bewusst wird. Und mir wird in solchen Momenten auch wieder bewusst wie wichtig es für uns alle ist, sich dieser Verbindung bewusst zu werden.

Nicht umsonst stehen im Yogasutra die Yamas, ein heilvoller und bewusster Umgang mit anderen Wesen an erster Stelle auf der spirituellen Leiter. Bewusstheit macht deutlich, dass wir einander brauchen und uns dementsprechend mit mehr Respekt, mehr Würde und mehr Achtung behandeln sollten. Aber auch mit mehr Dankbarkeit und Wertschätzung miteinander umgehen sollten.  Ein zweiter Aspekt ist, dass das Wissen um die Verbindung vor dem Gefühl der Einsamkeit schützt. Wie viele Menschen sind in Facebook, weil sie die Einsamkeit in der realen Welt nicht mehr ertragen und sich in einen virtuellen Freundeskreis flüchten. Aber macht der auf Dauer nicht noch einsamer, weil wir dann, wenn wir unser Handy ausmachen, wir wieder alleine sind.

Verbundenheit leben

Also geht es wie auch in der Yogapraxis auf der Matte um folgende Devise: 1 g Praxis ist mehr als eine Tonne Theorie. Überlege Dir, wo Du mehr reale Verbundenheit in dein Leben bringen könntest? Wie wäre es in diesen Tagen, in denen die Grippe wütet, mal für die kranke Nachbarin einzukaufen – die Dir emotional nicht so nahe steht - oder ihr möglicherweise sogar eine stärkende Suppe zu kochen? Vielleicht gibt es auch jemanden in deinem Leben, der alleine lebt und sich darüber freuen würde, wenn du ihn zum Essen einladen würdest. Kein großes Festessen, sondern ein ganz normales Mittagessen. Ganz unprätentiös. Bedingungslos. Erwartungslos. Oder wie wäre es, wenn Du der Kassiererin im Supermarkt, an der Tankstelle oder im Kino einmal ganz bewusst in die Augen schauen würdest und dich bei ihr dafür bedanken würdest, dass sie diese Arbeit macht. Einfach so. Aus ganzem Herzen. Das Strahlen in ihren Augen würde dich wahrscheinlich wahrscheinlich tiefer und unmittelbarer berühren als 20 likes auf facebook.

Verbundenheit beginnt dort, wo Bequemlichkeit aufhört. Es fordert uns auf, nachzudenken, das Herz zu öffnen und nicht mehr nur noch um uns selbst zu kreisen. Aber die Erfahrungen, die wir beim Blick in andere Augen oder Herzen machen, sind viel schöner und führen uns dann auch wieder mitten ins Herz des Yoga. Dem Wissen, dass es letztendlich kein Ich und kein Du gibt, sondern wir auf einer noch tieferen Ebene nicht nur miteinander verbunden sind, sondern alle eins sind.

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