Mittwoch, 24. Januar 2018

Urvertrauen stärken durch sanfte Klänge

Ich liege in Seitenlage auf einem weichen Futon in einem Behandlungszimmers des Peter Hess Zentrums. Mein ganzer Körper ist bedeckt mit einem hauchdünnen Tuch. Um mich herum stehen Klangschalen in verschiedenen Größen: Vor meinem Kopf, hinter meinem Rücken, vor meinem Brustraum und zu meine Füßen. Zu meiner Linken, auf meiner Herzseite, sitzt die Klangtherapeutin und Yogalehrerin Emily Hess. In den nächsten 30 Minuten schlägt sie ganz behutsam und sanft immer wieder die verschiedenen Schalen an. Mal ist der Klang hell, mal tönt er etwas dunkler, aber immer gleich sanft. Niemals erreicht er mich unangenehm oder aufdringlich. Die einzelnen Klänge laden mich ein, mich einzulassen, mich von ihm führen zu lassen und mich ihm hinzugeben.
Meine Atmung wird wie von selbst tiefer. Ich entspanne mich und fühle mich getragen. Mir kommt es so vor, als hätte Emily Hess nach und nach einen weichen Klangteppich für mich gewoben. Einen Klangteppich der Wärme, der Geborgenheit und des Urvertrauens. Er umarmt mich, hält mich und trägt mich gleichermaßen. Ein Gefühl, dass so schön ist, dass ich mir bereits nach kurzer Zeit wünsche, dass diese Behandlung nie aufhören möge.
Mit jedem weiteren Ton gebe ich mich dem Klang hin, der mich mal von den Füßen, mal von der Seite, mal vom Kopfende mit seiner feinen Energie nach und nach dazu bewegt, loszulassen: all die Anspannung, die sich für mich jetzt spürbar irgendwann im Verlauf meines Lebens ausgelöst durch äußere Umstände und durch eigene Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen, bis in meinem Zellen verankert haben.
Nach und nach sinke ich mehr in die Unterlage. Ich fühle mich geborgen. Das Tuch, unter dem ich liege, vermittelt mir Schutz und Sicherheit. Alles wird zu Klang. Alles wird zu Energie. Alles ist plötzlich gut. Nach einer Erfahrung jenseits von Raum und Zeit ist sie nach einer halben Stunde leider zu Ende. Noch viel länger hätte ich hier liegen bleiben können. Jetzt weiß ich, warum so viele Menschen davon schwärmen. Und jetzt weiß ich auch, dass es sicherlich nicht meine letzte Massage gewesen ist.
Urvertrauen in der Schwangerschaft entwickeln
Nachdem ich glücklich und zufrieden den Behandlungsraum verlasse, begegne ich einer schwangeren Frau, die in gut drei Monaten ihr zweites Kind erwartet. Voller Vorfreude erzählt sie mir von ihrer Erfahrung mehrerer Klangmassage, die sie bereits in ihrer 1. Schwangerschaft gemacht hat. Es war – und das weiß sie auch andere Frauen – ein ganz besonderes Erlebnis. Werdende Mütter sind in der Zeit, in der sie sich auf die Geburt ihres Kindes freuen, besonders empfänglich für die wohltuenden Klänge der Klangschalen.
Aber nicht nur für die werdende Mutter ist eine Klangmassage ein Genuss. Auch das Embryo erlebt die Töne als heilsam. Denn, normalerweise ist die Zeit vor der Geburt für die wenigsten Menschen eine Zeit des Geborgenseins. Das Gefühl des Urvertrauens, dem Gefühl des kosmischen All-Eins-Sein, wie es oft während oder nach einer Klangmassagen mit Klangschalen erlebt wird, wird bei vielen Embryos getrübt durch negative Gefühle der Mutter wie Stress, Ängste oder Anspannung. Gibt es doch heutzutage kaum eine werdende Mutter, die sich voll und ganz ihrer Schwangerschaft widmen kann. Viel zu hoch sind die Anforderungen, die der Alltag mit seinen zunehmenden Herausforderungen an alle Menschen stellt.
Oasen im Alltag
Eine Klangmassage bietet den Frauen eine ideale Verschnaufpause, weil sie das Gefühl der Grenzenlosigkeit, der Symbiose zwischen Mutter und Kind vermittelt. Und nicht nur das, immer wieder erzählen Menschen, dass sie während deiner solchen Behandlung das Gefühl haben, im kosmischen Urmeer zu baden. An eine solche Erfahrung, so haben Pränatalpsychologen, können besonders Naturtoninstrumente wie die Klangschale anknüpfen und dieses Gefühl sowohl Embryo als auch den Mutter ermöglichen. Sie unterstützen die gesunde Entwicklung eines Kindes und sorgen dafür, dass die Mutter auch nach der Geburt noch entspannt bleibt.
Gleichzeitig und das mag paradox klingen, haben Klangschalen auch eine zentrierende Qualität. Sie helfen, wieder in der eigenen Mitte anzukommen und stärken das eigene Selbstvertrauen.
Ziele der Klangarbeit in der Schwangerschaft können sein:
  • Entspannung
  • Abbau von Ängsten
  • Vermittlung von Selbstvertrauen
  • Stärkung der Selbstsicherheit
  • Abbau von Ängsten
  • Förderung der Hingabe
  • Erhöhung der Achtsamkeit für die eigenen Bedürfnisse
  • Selbstwahrnehmung für den eigenen Körper fördern
  • Entwicklung von Urvertrauen
  • Zugang zur eigenen inneren Weisheit öffnen


Ein harmonisches Klangfeld schaffen

Der Bogen lässt sich jetzt natürlich weiterspannen: Ist das Kind geboren, kann man ihm über Klänge weiterhin das Urvertrauen vermitteln, dass es bereits im Mutterleib durch die Klangmassage kennengelernt hat. Die Schwingungen der Klangschale wirken auch auf kleine Babys beruhigend und hüllen dieses in ein Klangfeld ein, in dem es sich geborgen und geschützt fühlt. Durch eine solche Erfahrung kann sich das Urvertrauen entwickeln oder vertiefen. Aber nicht nur das. Richtig angewandt, kann der Einsatz der Klangmassage zudem eine tiefe emotionale Resonanz zwischen zwei Menschen entstehen lassen. Dies gilt sowohl für das Verhältnis zwischen Mutter und Kind, aber auch für ein Paar, dass sich gegenseitig eine Klangmassage gibt und dadurch das Vertrauen in die Liebesbeziehung fördert. Der Klang fördert aber auch ein vertrauensvolles, annehmendes Verhältnis zwischen Physiotherapeut und Patient und zwischen Yogalehrer und Schüler. Nicht umsonst findet der Klang auch im Yogabereich immer mehr Einsatz, sowohl im Schwangerenyoga, als auch im Hatha-Yoga und im KlangYoga. Am Ende einer Yogastunde kann ein Yogalehrer seine Schüler mit einer Klangmeditation in einen tiefen Raum der Entspannung führen und ihnen so das vielleicht verlorene Urvertrauen zurückgeben und ihnen einen Rückanbindung an das All-Eine schenken.


Vielfache Einsatzmöglichkeiten

Wem das alles zu abgehoben, zu „esoterisch“ klingt, wird aber auch zahlreiche „seriöse“ Anwendungsbereiche für die Klangschale finden. Aus dem Bereich der Chirurgie und Physiotherapie weiß man, dass bei Anwendungen der Klangmassage Brüche und Narben besser heilen, Gewebe besser durchblutet und die Gesundung insgesamt beschleunigt wird – Phänomene, die sich auf die entspannende, stressreduzierende Wirkung der Klänge zurückführen lassen. Das hängt mit der Frequenz der Klänge zusammen und damit, dass Klänge leichter einzusetzen sind als Musik, bei der zahlreiche Parameter beachtet werden müssen. Zudem sind Klänge meist emotional neutral besetzt, wohingegen Musik oft bestimmte Emotionen bei uns hervorruft.


Für jeden Bereich die richtige Schale

Durch Emily und Peter Hess und ihrem Team am Peter Hess Institut konnte die Klangmassage in Zusammenarbeit mit zahlreichen Universitäten große Glaubwürdigkeit auch in wissenschaftlichen Kreise erlangen. Peter Hess, der die Klangschalen vor mehr als 30 Jahren als ein obertonreiches Instrument in Nepal kennengelernt hatte, erforschte die Wirkung die Klangschalen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich und setzt sie entsprechend der Bedürfnisse in seinen Kursen und Ausbildungen ein. So arbeitet er mit ausgewählten und qualitativ hochwertigen Klangschalten z.B. bei Schulter- und Nackenverspannungen, bei Beschwerden im unteren Lendenwirbel oder auch bei Unterleibsbeschwerden. Den Tonbereich der Klangschalen entspricht dabei jeweils dem Körperbereich – ein tiefes Klangspektrum für den Unterleib, ein hohes Klangspektrum für den Oberkörper und klare hohe Töne für den Kopfbereich. Durch den angenehmen und entspannenden Klangraum der Klangschalen und ihre sanften Schwingungen erfolge eine wohltuende Massage im Körper. Die Erfolge mit dieser Art von Massagen sind auch heute für Peter und Emily Hess immer wieder überwältigend.


Jeder Mensch ist einzigartig

Überwältigend ist auch, wie einzigartig jeder Mensch auf eine Klangschale reagiert – und diese sollte auch immer wieder berücksichtigt werden. Nicht jeder Mensch kann sich unter einem dünnen Tuch entspannen und sich vollkommen der Klangmassage hingeben. Und nicht jeder Mensch mag es, wenn eine Klangschale unmittelbar auf seinen Körper gelegt wird. Und so wie sich jeder Mensch unterschiedlich auf eine Klangmassage einlassen kann, so reagiert auch jeder auf einzigartige Weise darauf.

In ihren Seminaren erleben Peter und Emily Hess immer wieder, dass die gleiche Klangschale bei verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich klingt. Bei einer Übung wird zum Beispiel zunächst die sogenannte Gelenkschale auf einer neutralen Unterlage angeschlagen. Anschließend nimmt man den Klang wahr. Nun wird nacheinander die Klangschale auf die linke Hand eines jeden Teilnehmers gestellt. Die Hand sollte dabei möglichst entspannt sein. Die Klangschale wird immer mit dem gleichen Schlägel möglichst mit gleicher Stärke angeschlagen. Zu hören – aber auch elektronisch zu messen – ist, dass jeder Mensch sein ganz eigenes, unverwechselbares Klangprofil hat. Die Resonanzkörper der Menschen sind somit individuell unterschiedlich. Alle Körperhohlräume (Knochen, Gewebe, Organe), alle Zellen nehmen die Schwingung einer Klangschale auf und treten mit ihr in einen Resonanzprozess, d.h. sie reagieren auf die äußeren Klänge. Das individuell entstehende Klangprofil zeigt z.B., welche Frequenzanteile der Klangschale nicht in Resonanz mit der Person kommen. Manchmal hat man den Eindruck, dass diese Frequenzen fehlen und sie vom Körper regelrecht geschluckt werden. Dem Körper werden bei einer Klangbehandlung ständig diese Frequenzen dann angeboten, sozusagen als Nahrung, die er dringend braucht.

Überwältigend ist es aber auch - sowohl für die Klangtherapeuten als auch für die Empfänger einer Massage -, dass sich nach bereits mehreren Behandlungen das Klangbild einer Person verändert. Besonders beeindruckend war diese Erfahrung auch für Yogapraktizierenden, die die Klangmassage während einer Asana ausführten. Sie konnten beobachten, dass zum Beispiel bei einem schnell abflachenden Klang, bei dem beispielsweise die tiefen Frequenzen fehlen und die hohen Töne fast schrill ertönen, nach einigen Behandlungen ein voller, lang andauernder Klang mit einer harmonischen Frequenzverteilung von tiefen und hohen Tönen erreicht werden konnte. Dies ist ein offenkundiges Zeichen dafür, dass sich eine Harmonie im Körper und zu den Klängen der Klangschale eingestellt hat. Verhärtungen im Gewebe oder der Muskulatur haben sich gelöst, so dass die Resonanz zum Klang der Klangschale geschehen kann. Je tiefer die Lösung von Verhärtungen im Gewebe und Anspannung im Geist möglich ist, desto öfters und unmittelbarer können wir über die Klangmassage eine tiefe Erfahrung von Entspannung und möglicherweise auch Urvertrauen machen und erkennen, dass alles Energie ist, alles fließt und alles in einer kosmischen Ordnung gut ist und gut wird.


Die positiven Auswirkungen der Klangschalen

Erhöhte Sinneswahrnehmungen

Klangbedingt wird vor allem das Gehör geschult. Durch regelmäßige Arbeit mit den Klangschalen lernt man, immer differenzierter zu hören, die Aufmerksamkeit und die Achtsamkeit erhöht sich. Töne und Vibrationen können je nach Sensitivität auch als wärmer oder kälter empfunden werden. Sobald dies geschieht, sind nicht nur die Ohren beteiligt, sondern auch die Haut beziehungsweise die feinen Härchen, die die Schwingung empfangen.

Der Geist wird immer ruhiger, im besten Falle, bis er ganz entspannt ist. Das Lauschen der Klänge öffnet die Tür für eine tiefe Stille. Infolge dessen helfen intensivere Eindrücke und Wahrnehmungen durch verfeinerte Sinnes-Antennen helfen nicht nur, die eigene innere Stimme besser zu hören, sondern auch in der gesunden, liebevollen und empathischen Kommunikation mit anderen Menschen und der eigenen Umwelt.


Vertiefte Entspannung

Berühren uns die Klangschwingungen in einer nicht-aktiven Haltung, sind wir viel besser in der Lage, selbst tiefsitzende körperliche Verspannung wahrzunehmen. Das gilt ebenso für das Bemerken eines unruhigen Geistes, dessen Gedanken immer wieder um ein Thema kreisen wollen oder der sich grundsätzlich sträubt loszulassen. Die harmonischen Vibrationen der Klangschalen beruhigen den Geist und helfen dem vegetativen Nervensystem sich zu entspannen. Stelle dir eine ruhige Wasseroberfläche vor, in die ein Stein fällt. Genauso wie die kleinen Wellen, die dieser Vorfall auslöst, und die immer weiter nach außen wandern, genauso wandert die Schallwelle durch deinen Körper und ruft diese wohltuende Wirkung hervor, löst Spannungen in den Muskeln, Faszien und Organen. In dieser neuen Qualität kann es gelingen, Unterbewusstes wieder ins Bewusstsein zu bringen, Probleme entspannt anzugehen oder vielleicht die Lösung zu sehen. In der Tiefenentspannung erledigen sich manche Dinge von allein, weil sie endlich sich selbst so zurechtrücken, dass Puzzleteile wieder zueinanderfinden; was nichts anders heißt, als dass die Selbstheilungskräfte mobilisiert werden. Gerade die Verbindung von Yoga und Klang kann hier Wundervolles leisten. Die Klangwellen bringen den übenden Zuhörer schnell auf die Metaebene, sodass es leichter ist, aus einem gewissen Abstand heraus Gedankenmuster zu erkennen oder Aktivitäten im Körper wahrzunehmen und achtsam zu lenken.


Steigerung des Energieflusses

Mit speziellen Klangschalen wird der Klang oder „Nada“ wie er im indischen Sanskrit heißt, an alle Stellen im Körper wie Knochen, Muskeln, Faszien, Organe, Lymphen, Nerven und Energiebahnen gebracht, beginnt dort zu stimulieren und dadurch den Fluss der Energien anzuregen. Und dann spürt man die tiefe indische Wahrheit: „Die Welt ist Klang.“ Neu energetisiert ist man in der Lage, einzelne Organe oder Körperbereiche wahrzunehmen und zu unterscheiden.

Dadurch wird auch das Prinzip „Alles ist im Fluss“ deutlich spürbar. Blockierte Energiebahnen können stimuliert werden, damit verbrauchten Batterien wieder neu aufladen kannst. Besonders in der heutigen, stressigen Zeit ist dies dringend erforderlich. So kann man sich selbst zum Beispiel vor einem Burnout schützen.

Weitere Informationen zu Emily Hess findest Du unter: emilyhess.eu

Weitere Informationen

Hess, Peter: Die heilende Kraft der Klangmassage. Irisiana Verlag, 2012

Hess, Peter: Klangschalen – mein praktischer Begleiter. Verlag Peter Hess, 2015

Hess, Peter und Petra Emily Zurek: Klangschalen - mit allen Sinnen spielen und lernen. Kösel Verlag 2008

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