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Donnerstag, 30. September 2021

Das Leben, mein größter Lehrmeister

 

Jeden Tag hält das Leben zahlreiche Lektionen für uns bereit. 

Erkennst du deine eigenen?! Hier lernst du ein paar typische 

Prüfungsfragen des Lebens kennen!

 

Vor drei Tagen habe ich mich wahnsinnig aufgeregt über meinen 

Nachbarn. Den ganzen Nachmittag ging er mir durch den Kopf. 

Innerlich habe ich ihn angeklagt und verurteilt. Und dann schoss mir 

plötzlich die Aussage einer meiner spirituellen Lehrerinnen durch 

den Kopf. Sie pflegte zu sagen: „Wenn dich etwas länger als 

drei Minuten beschäftigt, dann hat es nichts mehr mit dem 

anderen zu tun, sondern nur noch mit dir selbst.“ 

In dem Moment wurde mir bewusst, dass das, was mich an meinem 

Nachbarn so enorm getriggert hatte, gar nichts mit ihm zu tun hatte. 

Nein, es war viel mehr ein Hinweis auf meine eigene 

Unzulänglichkeit, meine eigene Intoleranz, meine eigene Engstirnigkeit. 


Kennst du solche Situationen?

 

Viele Facetten für unsere Lektionen

Damit wir uns unserer Selbst bewusstwerden, hält das Leben viele Situationen für uns bereit: Glück. Magie. 

Eintönigkeit. Freude. Liebe. Viren. Abwechselung. Sehnsüchte. Masken. Schöne Wandertouren. 

Verbundenheit. Schlechte Fußballspiele. Eine Pandemie.  Orientierungslosigkeit. Zufriedenheit. 

Langeweile. Naturkatastrophen. Unlösbare Paradoxe. Konstante Veränderung. Wie wir darauf reagieren, 

liegt an uns selbst. Ob wir solche Erfahrungen als unsere Lehrmeister betrachten, um achtsamer zu 

werden, liegt ebenfalls an uns. Ob wir uns des Lebens als ein großes Geschenk bewusst machen, dass dazu 

bestimmt ist, um zu lernen, zu wachsen und offener zu werden liegt ebenfalls in unserer Hand.

 

Und damit komm auch schon die erste Selbstreflexionsfrage, die ich gerne an dich richten möchte.  

Was ist das Leben für dich? Ein Ponyhof? Eine Schule? Eine Besserungsanstalt? Ein Lehrstück? 

Wie reagierst du im täglichen Leben auf Situationen – oder besser gesagt – auf Lektionen, die dir das 

Leben ungefragt vor die Füße wirft? Mit einem Lächeln? Mit einem Vorwurf? Mit dem Gefühl, Opfer 

widriger Umstände zu sein? Fragst du dich ab und zu: Was soll ich aus dieser Begegnung oder jener Situation 

lernen?

 

Wie wir auf unser Leben schauen, hängt von unserer Perspektive ab. Das Yogasutra des Patanjali lehrt 

uns mit den Yamas, einen bewussten Umgang mit anderen Menschen zu kultivieren. Anderen Menschen 

keinen Schaden hinzuzufügen, zum Beispiel.  


Achtest du im Kontakt mit anderen Menschen auf diese Schadensbegrenzung? 

Gerade jetzt befinden wir uns in einer Situation, die uns alle sehr herausfordert. 

Wie verhälst du dich im Umgang mit anderen Menschen. Wie gewaltfrei sind deine Gedanken 

hinsichtlich jener Menschen oder Menschengruppen, die eine andere Haltung auf die derzeitige Situation 

haben? Kannst du ihnen trotzdem mit offenem Herzen begegnen?

 

Wenn wir uns diese Fragen stellen und bei der Beantwortung achtsam bleiben, also uns selbst mit 

einem offenen, wertfreien Geist betrachten, können diese Antworten sehr heilsam und aufschlussreich sein. 

Sie können uns auf einer tieferen Ebene mit uns selbst in Kontakt bringen. Sie können uns auch darin 

unterstützen, dass wir aufhören, andere Menschen oder widrige Umstände für unsere Empfindungen 

verantwortlich zu machen. Solche Fragen können uns auch dazu führen, dass wir uns auch darüber 

bewusstwerden, wie wir generell auf unser Leben schauen. Deshalb möchte ich dir hier ein paar weitere 

Fragen stellen:

 

Dein Blick auf das Leben

Schaust du generell in das halb volle Glas oder ist es eher leer. Wie wär’s, wenn du einen Moment innehälst

 und du dir die letzten drei Stunden, Tage, Wochen oder Monate vor Augen hälst. Durch welche „Brille“ 

hast du dein Leben betrachtet?! War es eher leicht? Oder schwer? Eintönig, abwechslungsreich oder 

langweilig? Waren es in deinen Augen eher die anderen Menschen, die dafür verantwortlich waren oder sind, 

wie du dich gefühlt hast? Oder bist du bereit, Situationen auch immer wieder dahingehend zu überprüfen, 

ob auch du einen Anteil an der Entwicklung einer Situation hast?

 

Möglicherweise hattest du in deinem Leben bereits einschneidende Erfahrungen wie einem schweren 

Unfall, eine Krankheit oder einem Verlust, die dazu geführt haben, dass du dich immer wieder fragst: 

„Welchen Sinn hat das, was mir gerade passiert?“ Vielleicht gehörst du seit einer solchen Erfahrung zu 

denjenigen, die es wagen, eigenständig zu denken und die sich zu träumen wagen von einem erfüllten Leben.

 

Solltest du dir die Frage nach dem Sinn deines Lebens noch nicht gestellt haben, wäre heute 

vielleicht eine gute Gelegenheit dazu. Magst du noch einmal innehalten und dich fragen:


„Was soll das, was mir da gerade widerfährt?!“

„Habe ich den Sinn meines Lebens schon erkannt?“

„Gebe ich meinem Leben genug Sinn?“

 

Erst gestern sprach ich mit einer Frau darüber, dass sie sich selbst zu Beginn der Coronakrise Gedanken 

gemacht hat über den Sinn und Unsinn von Qualität, Quantität und von Konsum an sich. Sie hat ihr 

eigenes Leben hinterfragt und festgestellt, dass sie viel weniger braucht, als sie bislang dachte. 

Sie hatte sich vorgenommen, nach der Pandemie kürzerzutreten, weniger Serien zu schauen, mehr Freunde 

zu treffen. Ja, sie wollte mehr leben, statt gelebt zu werden. Sie wollte ihr eigenes Leben wieder häufiger 

in die Hand nehmen. Aber jetzt, so meinte sie mit gesenktem Stimme, würde sie sich so langsam wieder im 

Hamsterrad einlaufen. So wär‘ das Leben halt mal. Wir wären schließlich nicht zum Spaß hier! 

Sind wir das nicht?! Wer sagt, dass wir ferngesteuert leben sollen?! Das Leben, unser Meister? 

Nein, das will, dass wir die Magie des Moments erkennen und leben. Das ist zumindest meine Erkenntnis.

 

Wer auch immer riskiert, sich auf das Abenteuer selbstgelebtes Leben einzulassen, wird alsbald realisieren, 

dass leben ein Tu-Wort ist. Er wird erfahren, was es heißt zu leben, anstatt gelebt zu werden. 

Solche Menschen genießen die Lücken in ihrem Lebenslauf. Sie genießen das Nichtstun und das Sosein. Sie lieben Überraschungen, Vielfalt und Lebendigkeit.

 

Lektionen lernen                                            

Innere, eigene Weisheit erlangen wir primär durch Verluste, Krankheiten und Kummer. Zu Meistern 

werden wir dann, wenn wir an diesen Lektionen nicht zerbrechen. Zu großen Meistern werden wir darüber 

hinaus, wenn wir Nein sagen, wenn wir Nein meinen und einen Weg beschreiten, den vor uns noch 

niemand gegangen ist. Und sei es nur in Gedanken. Und wenn wir es ganz zu uns nehmen, dass unser 

einziges kostbares Leben, werden wir es als unsere Schule begreifen. Dann werden wir uns vor 

ihm als unseren Lehrmeister verneigen.  Eine solche Herangehensweise kann unseren Blick weit werden

 lassen und uns dabei helfen, den ein oder anderen Glaubenssatz unseres Inneren Kritikers loszulassen. 

Dann wird unser Herz weiter und das Leben leichter.

 

Zum Weiterlesen: Doris Iding: Das Leben, mein Meister. Lotos Verlag 2021. 16 EURO

 

 

 

Montag, 26. Juli 2021


Müssen war gestern....... 

Zu sich kommen. Freiheit schmecken. Die Natur erfahren. Gott begegnen. Das alles erlebte Hape Kerkeling als er vor einigen Jahren dem Showbusiness den Rücken kehrte. Als Wanderer tauchte er dann auf dem Jakobsweg wieder auf und fand hier wieder zu neuen Kräfte. Jahre später konnten wir seine Erfahrungen nachlesen in seinem Buch: „Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg“. Mit seiner Entscheidung, mal alles hinter sich zu lassen, traf der Entertainer wohl 2006 den Nerv der Zeit: 103 Wochen lang blieb sein Buch auf dem Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. In dem Buch beschreibt er, wie er den alten Pilgerweg in Spanien nutzte, um wieder zu sich selbst zu finden, nachdem er sich in der Arbeit verloren hatte.  

Auch der Bestsellerautor Paulo Coelho beschreibt die Erfahrungen, die er auf dem gleichen Weg machte. In seinem ersten Buch, „Auf dem Jakobsweg. Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela “, erzählt er von Abenteuern, spirituellen Prüfungen und Strapazen, die den erwarten, der sich einlässt. Wer sich dem Weg hingibt, wird berührt. Berührt von der unsagbaren Schönheit der Natur. Geküsst von der Magie des Augenblicks. Überrascht von etwas, was Größer ist. Größer als das, was wir mit unserem kleinen Verstand begreifen können. Und möglicherweise begegnet uns etwas, was in uns selbst verborgen liegt: unserem Wesenskern, unserer Einzigartigkeit. Etwas, das häufig in der Kindheit oder Jugend von den Erwartungen und Vorstellungen der Eltern, Erziehungsberechtigten, der Gesellschaft überschüttet wurde.

Den Wenn-Dann-Geist entlarven

Auch in mir entbrannte irgendwann der Wunsch, ebenfalls eine solche Pilgerreise zu unternehmen. Bevor ich allerdings zum ersten Mal meinen Wunsch umsetzte, Richtung Santiago zu gehen, vergingen viele Jahre. Der „Wenn-Dann-Geist“ stellte sich mir in den Weg. Kennen Sie ihn? Vielleicht hält er Sie bislang auch davon ab, sich auf die Socken zu machen. Dieser Wenn-Dann-Geist geht so: „Wenn ich heute Abend nach der Arbeit nach Hause komme, gehe ich schon einmal eine Stunde, um mich langsam einzulaufen für die Wanderung.“ Sind wir dann abends zu Hause, sind Sie möglicherweise müde. Dann meldet sich der Wenn-Dann-Geist und sagt: „Ach, trink lieber ein Bier und mach am Wochenende eine gescheite Wanderung. Wenn du Sontag ausgeschlafen bist und den ganzen Tag Zeit hast, dann lässt es sich sowieso viel besser wandern.“ Am Wochenende melden sich unerwartet Ihre Freunde und laden zum Sie zu einem Fest ein. Dann sagt der Wenn-Dann-Geist: „Nach dem Lockdown ist es viel wichtiger, Freunde zu treffen, als allein wandern zu gehen. Wenn ich in zwei Wochen Urlaub habe, gehe ich jeden Tag wandern, um mich so auf den Pilgerweg vorzubereiten!“. Sollte Ihnen diese Stimme bekannt vorkommen, möchte ich Ihnen gerne einen Vorschlag machen: Wie wär’s, wenn Sie den Wenn-Dann-Geist umwandeln in den Wenn-nicht-jetzt-wann-dann-Geist!

Zurück zum Jakobsweg. Als ich meinen Wenn-Dann-Geist endlich überwinden wollte, gab es jedoch bereits so viele Wanderer auf dem Weg, dass mir die Lust vergangen war, in Spanien zu pilgern: Der Jakobsweg war zu einem überbevölkerten Volkswanderweg geworden.

Der Weg ist das Ziel

Während das Ziel des Jakobswegs feststeht, ist der Startpunkt des Jakobswegs variabel. Allein in Deutschland gibt es 30 Jakobswege. Auf vielen von ihnen kann man sehr besinnlich und im ursprünglichen Sinne des Wortes pilgern. Einer davon beginnt mitten in München auf dem Jakobsplatz.

Es muss also nicht immer eine vier- oder fünfwöchige Pilgerwanderung a la Kerkeling sein, um sich auf den Weg zu machen. Schließlich beginnt jede Reise mit einem Schritt. Und manchmal reichen auch ein paar Tage, um wieder mit unserem eigenen Herzen in Kontakt zu kommen. Sollten Sie also keine Zeit, kein Geld oder keine Lust haben, den ganzen spanischen Weg zu gehen, so können Sie auch hier im schönen Bayern ein paar Tage auf den Spuren Jakobs wandeln. Ein paar Tipps im Gepäck können Sie darin unterstützen, dass eine mehrtägige Wanderung Sie nicht nur über den ein oder anderen Bergrücken trägt, sondern Sie auch mit Ihrer eigenen Tiefe in Kontakt bringt.

Achtsamkeitstipps für Pilgerwege

Eine Absicht festlegen

Fragen Sie sich, warum Sie einen solchen Weg gehen möchten?

Ist es die Antwort auf eine innere Frage, die Sie finden möchten?

Befinden Sie sich in einer Krise und erhoffen Sie sich eine Lösung für diese Krise?

Haben Sie den Bezug zu sich selbst verloren? Möchten Sie sich wieder finden oder möglicherweise ganz neu begegnen?

Haben Sie das Bedürfnis, neue Erfahrungen zu machen?

Erhoffen Sie sich, Gott zu begegnen oder etwas zu finden, was nicht in Worte zu fassen ist?

Wenn Sie eine Absicht festgelegt haben, ist es gut, sich im Verlauf des Pilgerns immer wieder daran zu erinnern, warum Sie sich auf den Weg gemacht haben. Sollten Sie zum Beispiel das Bedürfnis haben, einmal ein paar Tage ganz für sich selbst allein zu sein, ist es gut darauf zu achten, sich nicht mit anderen Pilgern zusammenzuschließen und in einem Grüppchen zu wandern. Genauso sinnvoll ist es bei einem solchen Entschluss, dass Mobiltelefon nur in Notfällen zu benutzen oder die Gespräche mit Ihren Liebsten zu reduzieren, damit Sie sich einmal ganz auf sich selbst konzentrieren können.

Schweigend gehen

Sollten Sie lieber mit Ihrem Partner, Freundinnen oder anderen Weggefährten pilgern, dann empfiehlt es sich, im Vorfeld festzulegen, ob und wie viel Sie auf dem Weg schweigen möchten. Wenn wir schweigen, kommen wir uns selbst näher und können die Stimme in uns hören, die oft nicht zu Wort kommt, aber viele Inspirationen für uns bereithalten kann. Sich abends in der Ruhe über die gemachten inneren Erfahrungen auszutauschen, kann wiederum sehr bereichernd und inspirierend sein.

Quartiere vorreservieren

Wenn Sie mehrere Tage oder Wochen pilgern wollen, lohnt es sich, Übernachtungen im Vorfeld zu buchen. Erfahrungsgemäß ist es entspannender, wenn man den Abend in Ruhe genießen kann, anstatt sich um weitere Unterkünfte kümmern zu müssen.

Achtsamkeit für den Augenblick entwickeln

Achtsam zu sein bedeutet, möglichst wertfrei im Hier und Jetzt zu sein. Damit gemeint ist, sich vollkommen auf die sinnlichen Erfahrungen einzulassen, die Ihnen auf dem Weg begegnen werden. Wenn man über mehrere Stunden alleine läuft und schweigt, kann es nur allzu leicht passieren, sich in Geschichten über die Vergangenheit und Zukunft zu verlieren. Hier ist Achtsamkeit gefragt, dies zu bemerken, um sich immer wieder in den gegenwärtigen Moment zurückzuholen. Ein besonders gutes Mittel hierzu ist das Wahrnehmen der eigenen Füße. Schritt für Schritt den Untergrund spüren, auf dem man geht. Aber auch ein paar offene Ohren und offene Augen bringen Sie unmittelbar in den gegenwärtigen Moment und zeigen Ihnen, mit welchen Wundern die Natur aufwartet. Sei es der Gesang eines Vogels, die Struktur eines Baumes oder das Panorama einer Landschaft, die sich plötzlich eröffnen kann.

Inneres Gepäck reduzieren

Machen Sie sich entbehrlich, wenn Sie wandern gehen. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Familie, Kollegen oder Kunden gut ohne Sie klarkommen, während Sie auf dem Pilgerweg unterwegs sind. Versuchen Sie auch, Ihre Alltagssorgen zu Hause zu lassen. Das macht Sie frei. Je weniger Sie mit sich herumtragen, desto intensiver werden Sie erleben, was Ihnen der Weg zeigen möchte.

Achten Sie auf Zeichen

Wenn wir mit offenen Augen und offenen Ohren pilgern, können uns Zeichen begegnen, die uns auch im übertragenen Sinne etwas sagen wollen. Vielleicht sehen Sie – je nachdem wo Sie wandern – immer wieder einen Adler oder einen anderen großen Vogel am Himmel. Vielleicht möchte dieser Sie einladen, etwas aus der Metaebene zu betrachten. Vielleicht begegnen Ihnen aber auch Inschriften oder Symbole, die Ihnen etwas sagen wollen. Möglicherweise begegnet Ihnen auch ein Mensch, der Sie inspiriert oder Ihnen eine neue Sichtweise auf Ihre Absicht ermöglicht.

Gehen Sie mit Freude

Machen Sie aus Ihrem Unternehmen keinen Zwang. Manchmal tun die Füße einfach weh oder der Weg führt mehrere Kilometer an einer befahrenen Straße entlang. Dann darf man auch schon mal den nächsten Bus nehmen oder per Anhalter das nächste Ziel anvisieren. Es geht nicht darum, das Ziel auf Biegen und Brechen zu erreichen, sondern eher darum, sich selbst mitfühlend und wohlwollend zu begegnen. Müssen war gestern. Freude ist heute angesagt. Schließlich ist das Leben zu kurz, um sich selbst immer wieder unnötige Steine in den Weg zu legen.

 

Weitere Informationen:

www.jakobsweg.de

Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg. Piper Verlag, 2006, 11 EURO

Paulo Coelho: Auf dem Jakobsweg. Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela. Diogenes Verlag, 2007,11 EURO


Zur Info. Dieser Artikel ist erschienen in der Münchner AZ. Dort veröffentliche ich regelmäßig Samstags Artikel, die Sie darin unterstützen, zur inneren Balance zu finden.

Donnerstag, 27. Mai 2021

 

Das Glück der kleinen Dinge liegt für mich darin, uns selbst immer mehr zu entwickeln, damit wir zu unserem wahren Wesen vordringen. „Der Schlüssel zur Selbst-Entfaltung“ zeigt dir auf, wie du einen Weg aus dem Leid findest. Geschrieben wurde er von Florian Palzinsky.

Der Schlüssel zur Selbst‐Entfaltung   

Es gibt fünf Punkte, die ausschlaggebend dafür sein können, ob wir ein Ziel irgendwann einmal erreichen, oder ob wir unser Vorhaben schon vorher abbrechen bzw. es im Sand verlaufen lassen. Auch wenn ich diese essenziellen Stützen einst von dem indischen Yogalehrer Aadil Palkhivala kennen lernte, sind sie auf unzählige Bereiche des Lebens praktisch anwendbar.

 1) Sehnsucht   2) Wille   3) Anleitung   4) Praxis   5) Geduld 

Um sich auf einen langen, mühsamen und undurchsichtigen Weg zu machen, ist etwas Not‐wendig, dass jeder von uns tagtäglich mehr oder weniger erfährt: nämlich die Erfahrung von Unzufriedenheit und Leid. ‚In a nutshell‘ hat der Buddha einmal seine Lehre so definiert:

„Ich lehre nur zwei Dinge: Leid (dukha) und den Weg, der aus dem Leid führt.“ 

Die Ursache für jegliches Leiden ist Anhaftung (upādāna) und Begehren (tanhā), d.h. der Versuch, den unberechenbaren Lebensstrom unter Kontrolle zu bekommen, weg vom Unangenehmen und hin zum Angenehmen. Die Ursache ist die illusorische Identifikation (maya) mit unserem begrenzten Menschsein in einer unbeständigen Welt. 

Es gibt einige wenige weise Menschen, die nicht erst mit dem Kopf gegen die Wand fahren oder brutal am Boden der weltlichen Realität aufschlagen müssen. Sie begreifen schon vorher, dass Leben immer lebensgefährlich ist, niemand Krankheit und Altern entkommen kann, und alle sinnlichen Freuden bedingt und beschränkt sind. 

Eigenschaften für ein zufriedeneres Leben

Da die meisten von uns leider nicht mit dieser transzendierenden Erkenntnisfähigkeit gesegnet sind, können wir uns zumindest mit Hilfe dieser Eigenschaften einem zufriedenen Leben herantasten: 

1) Sehnsucht
Nicht jeder, der leidet, will auch unbedingt das Unglück oder dessen Ursache loswerden. Denn das Ego kann sich dadurch auf eigenartige Weise definieren, in Selbstmitleid versinken oder darin sogar den Sinn des Lebens darin sehen. Wenn aber Leid unerträglich wird, dann entsteht ein notgedrungener Wunsch nach einer Existenz ohne Schmerz, Angst, Trauer, Wut, Verzweiflung oder Depression. Doch diese Sehnsucht bedeutet noch lange nicht, dass man auch eine Ahnung hat, wie man in stürmischen Zeiten einen friedlichen Hafen erreichen kann.   

2) Der Wille
… gibt der unklaren Sehnsucht Kraft und Richtung. Wer wünscht sich nicht, hie und da einen Zustand wie Übergewicht oder eine Gewohnheit wie Rauchen zu ändern? Wenn sich aber nicht genug Unzufriedenheit oder sogar Wut aufgestaut hat, wird die transformierende Kraft eines zielgerichteten Willens fehlen. Jedes Vorhaben, das Disziplin und Ausdauer braucht, wird dann zu einer bloßen Tagträumerei, die keiner Alltagsrealität standhält.   

Nicht nur im Buddhismus ist die Macht des Entschlusses ein wichtiger Faktor zur Selbstentfaltung:

„In dem Augenblick, indem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen. Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte. Was immer Du kannst, beginne es. Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie. Beginne jetzt." William Hutchison Murray

3) Anleitung
Wenn einmal die inneren und äußeren Fühler nach Problem‐Lösungen ausgestreckt sind, dann nehmen wir uns und die Welt mit einer besonderen Aufmerksamkeit wahr. Phänomene und Situationen, die wir mit einem trägen (tamas) oder unruhigen (rajas) Geist nicht beachten, können plötzlich zu Augenöffnern, Wegweisern und Brücken zum Glück werden. Als der Prinzensohn Siddhartha – der künftige Buddha Gautama ‐ zum ersten Mal heimlich den hedonistischen Käfig seines väterlichen Palastes verließ, begegnete er vier sogenannten „Himmelsboten“: einem Kranken, einem Alten und einem Toten. Jeder von ihnen zeigte ihm einen bis dahin unbekannten Aspekt des Lebens auf. Als er dann dem vierten „Boten“, einem Wandermönch begegnete, spiegelte dieser sein wahres Dharma (Lebenssinn) wider. Daraufhin ließ er seine Familie und seine weltlichen Pflichten hinter sich, um das zu finden, was nicht der Krankheit, dem Alter und dem Tod unterworfen ist: Nirwana, die bedingungslose Befreiung.

Die wenigsten Suchenden haben das Glück, gleich am Anfang ihres Weges einem Lehrer, einer Meisterin oder einer Lehre zu begegnen, die sie genau dort abholen und weiterführen, wo sie gerade in ihrem Leben stehen und stecken. Manche spirituellen Anweisungen passen für eine gewisse Zeit, aber irgendwann entwickelt man sich weiter und das einst Stimmige wird überflüssig oder sogar hinderlich. Wie eine Schlange, die ihre alte Haut abstreift, oder ein Kind, das irgendwann die Lust am Sandkasten‐Spielen verloren hat.

Ich verbrachte die ersten zweieinhalb Jahre meines Mönchslebens im abgelegenen Nordosten von Thailand mit einem buddhistischen Meister, den alle als Erleuchteten verehrten. Anfänglich war ich davon ebenfalls überzeugt und machte bei diesem religiösen Gehabe fromm mit. Als aber mein kritischer Hausverstand irgendwann dagegen Einspruch erhob, packte ich meine wenigen Sachen und suchte mein spirituelles Glück woanders. Natürlich kann man manchmal schon beim Lesen oder Hören von bestimmten Anweisungen intuitiv spüren, dass sich etwas unstimmig anfühlt. Ein guter Gradmesser kann auch sein, wenn man spirituelle Lehrer und „Heilsverkünder“ mit einem offenen und kritischen Auge unter die Lupe nimmt: Wie sattvisch ist tatsächlich ihr Verhalten und ihre Ausstrahlung, oder wie stark sind diese von Gier, Hass und Verblendung geprägt?  

4) Praxis
Von einer spirituellen Praxis kann man erst dann wirklich sprechen, wenn man sie über einen längeren Zeitraum beibehält, denn Regelmäßigkeit ist oft der transformierende Faktor – nicht nur bei der Entfaltung von spirituellen Qualitäten, sondern auch bei allen Künsten und in weltlichen und alltäglichen Handfertigkeiten. Wenn man mit einer bestimmten Praxisform anfänglich nicht gleich klar kommt oder mit Widerständen reagiert, heißt das noch lange nicht, dass sie falsch ist. Manchmal muss man erst längere Zeit üben, damit etwas in Fluss kommt und um herausfinden zu können, ob wir dadurch liebevoller, durchlässiger und bewusster werden, oder vielleicht sogar irritierter, enger und achtloser. Diesen Realitätscheck kann kein*e Lehrer*in und keine Tradition für uns übernehmen, denn es gibt keine Praxis, die immer für alle passend ist.

Hermann Hesse beschreibt den transformierenden Pfad in einer ganz besonders poetischen Weise in dem Gedicht „Stufen“:
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, 
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. 
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, 
An keinem wie an einer Heimat hängen, 
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, 
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.“


4) Geduld
Es kann sein, dass die notwendige Sehnsucht da ist, der befeuernde Wille, die richtigen Anweisungen und die effektive Umsetzung in die Praxis ... und trotzdem kommen wir kurz vor der Ziellinie zum Stehen, nur weil die Geduld nicht ausreichend vorhanden ist.

Franz Kafka sagte einmal: "Vielleicht aber gibt es nur eine Hauptsünde: die Ungeduld. Wegen der Ungeduld sind die Menschen aus dem Paradies vertrieben worden, wegen der Ungeduld kehren sie nicht zurück“.

Geduld und Vertrauen dürfen aber nicht auf Kosten einer feinfühligen und realistischen Einschätzung gehen. Es kann ein harter Moment am spirituellen Weg sein, wenn man sich nach Jahren der überzeugten Praxis irgendwann doch eingestehen muss, dass alle Bemühungen trotz ‚blood, sweat & tears‘ schlussendlich nicht viel gebracht haben. Aber was sind schon ein paar Jahre auf der langen Reise zu uns selbst, die wir vielleicht schon viele Leben vorher begonnen hat und vielleicht auch noch viele weitere Transformationen weitergehen werden. Keine Praxis wird je ganz umsonst sein, denn wir können immer etwas dazulernen, und sei es nur mehr Vertrauen oder neue Einsichten. Spiritualität ist nicht immer logisch nachvollziehbar, sondern von Paradoxen durchwachsen.

So fordert beispielsweise Anthony de Mello: „Der Drang nach Veränderung ist der Feind der Liebe. Meint nicht, euch selbst verändern zu müssen: nehmt euch an und liebt euch so wie ihr seid […] dann werden Veränderungen auf wunderbare Weise von selbst eintreten – zu ihrer eigenen Zeit. Gebt euch dem Strom des Lebens hin … frei und unbeschwert von Gepäck!“

Aus der yogischen Perspektive soll ich und die Welt so annehmen, wie ich und sie sich gerade präsentieren und uns den undurchschaubaren Kräften mit Respekt und Gelassenheit hingeben (Bhakti-Yoga). Auf der anderen Seite werden selbstloses Agieren (Karma‐Yoga) oder spezifische körperliche und mentale Übungen (Hatha‐Yoga) empfohlen. Manchmal braucht es aber einfach nur ein Loslassen der dualistischen Sichtweise von Subjekt und Objekt, von richtig und falsch. Dann erkennen ich – wie nach einem Traum, dass ich nicht eines von unzähligen anderen Individuen in der Welt bin, sondern sich das ganze Universum in mir befindet (Jnana‐Yoga).


von Florian Palzinsky www.yogaundmeditation.at

 

 

Montag, 19. April 2021

Detox-Online-8-Wochen-Workshop mit

Doris Iding und Tanja Seehofer 

27.04 – 15.06. 8 x Dienstags 19 Uhr – 21.30 Uhr
  
Die Kraft des Frühlings kann dich mit deiner unendlichen Schöpferkraft in Kontakt bringen. Reinige dich von allem, was dich einengt, belastet und Kraft kostet. Öffne dich für alles, was dich nährt, inspiriert und stärkt. 

Werde zum Schöpfer / zur Schöpferin deiner eigenen Zukunft. Öffne dein Herz und weite deinen Geist. Reinigende Yin-Yoga-Sequenzen, nährende Atemübungen und kleine Meditationsreihen helfen dir, Altes loszulassen und dich für Neues zu öffnen.
Jetzt ist die Zeit besonders günstig, um in eine höhere Schwingungsebene zu wechseln. Komm jetzt in deine Kraft und übernimm Selbstverantwortung.

Wir werden dich mit diesem Seminar dabei von Herzen gerne unterstützen.
An jedem dieser acht Abende wirst du lernen, tiefer mit dir selbst in Kontakt zu kommen. Du wirst deine eigenen Bedürfnisse erkennen. Danach wird es dir spielerisch gelingen, deinen Fokus im positiven Sinne neu zu auszurichten, gemäß des Mottos: Aufmerksamkeit erschafft Realität

Jeweils dienstags, 27.04. – 15.06. 2021 jeweils 19 Uhr bis 20.30 Uhr
LEITUNG: Doris Iding, Tanja Seehofer
DAUER: 8 Wochen
KURSTAG: Dienstag
TERMINE: 20. April 2021 bis 08. Juni 2021
ZEIT: 19:00 bis 20:30 Uhr
KURSGEBÜHR: 189€ (als Paar 150€ pro Person). Earlybird bis 07. April 2021 169€
EINZELSESSION: je 30€
INFO & ANMELUNG: info@doris-iding.de oder yann@djayayoga.de>
 
Programm
27.04. 2021: Modul I - Emotional Detox
04.05. 2021: Modul II – Loslassen, was gehen will
11.05. 2021: Modul III – Deine Realität schaffen durch deine Aufmerksamkeit
18.05. 2021: Modul IV – Der Seele lauschen
25.05. 2021: Modul V – Das Herz öffnen
01.06. 2021: Modul VI – Die eigene Schwingung erhöhen
08.06. 2021: Modul VII – Freiheit erfahren
15.06. 2021: Modul VIII – Grenzenlose Weite und einfaches Sein verbinden


Tanja Seehofer und Doris Iding möchten dich einladen, deine eigene Quelle zu finden und zu stärken. Ab April bieten wir an 8 Abenden einen Onlinekurs an, an dem wir Meditationen und mentalen Übungen vermitteln, die dich zu deiner eigenen Quelle führen, deine Intuition stärken und dich darin unterstützen eher zu erkennen, was und wer dir guttut.