Sonntag, 7. Juni 2020

Trauma und Corona: Prof. Reddemann im Interview


Prof. Reddemann zählt zu den erfahrensten Trauma Therapeutinnen in Deutschland. Während des Lockdowns führte ich ein Interview mit ihr: 

Was genau ist ein Trauma?

Trauma bedeutet Wunde oder auch Verwundung, in diesem Fall auf der seelischen Ebene. Wie bei körperlichen Wunden gehen die Verwundungen von ganz leicht bis sehr schwer. Es lässt sich vorstellen, dass jemand der oder die auf dem Land mit großem Garten lebt, ganz anders belastet sein wird als jemand die z.B. als alleinerziehende Mutter in der Großstadt mit 3 kleinen Kindern in einer kleinen Wohnung zurecht kommen muss. Das Einhalten sozialer Distanz ist für Viele sehr belastend und kann sich traumatisierend auswirken. Die Folgen all dieser unterschiedlichen Formen von Belastungen oder auch Traumatisierungen sind wiederum sehr unterschiedlich. Sehr belastete Menschen können z.B. in starke Unruhe geraten, oder auch erstarren. Je länger diese Krise anhält, desto mehr Menschen werden mit Belastungssymptomen reagieren. Auch das hat Ähnlichkeit mit einem körperlichen Trauma. Je länger eine Verletzung einwirkt, desto gravierender kann sie sein. Ich möchte aber auch sagen, dass nicht alle Menschen die jetzige Situation als traumatisierend erleben. Das hängt mit einigen weiter unten angesprochenen Faktoren zusammen.