Mittwoch, 28. Februar 2018

Der aktuelle Buchtipp: "Die Gedanken sind nicht der Feind" von Jason Siff

Heute gibt es mal wieder eine Buchempfehlung. Sie stammt aus der Feder eines ehemaligen Mönches buddhistischen Mönches und Psychotherapeuten. Diese Autoren sind mir irgendwie die Liebsten, weil sie den menschlichen Geist mit allem was dazu gehört auf so tiefgründige Weise erforschen. 

Siff lebte in den achtziger Jahren als buddhistischer Mönch in Sri Lanka, ging dann zurück nach Amerika, studierte Psychologie und blickt heute mit seiner eigenen 25-jährigen Meditationspraxis auf eine Jahrzehnte lange Auseinandersetzung und Erforschung des Geistes zurück. Dabei hat er realisiert, dass es besonders die Gedanken sind, die während der Meditation Schwierigkeiten bereiten können. 

Im Gegensatz zu anderen Lehrern, die ihren Schülern empfehlen ihre Gedanken auf eine Wolke zu setzen oder sie zu benennen, schlägt Siff vor, sie weder zu unterdrücken noch zu stoppen. Stattdessen schlägt er vor, mit allem zu sein, was ist: mit den Gedanken, mit allen Emotionen und Gedanken dahinter, um sich dann mit den Gedanken in all ihrem Durcheinander und Chaos auszusetzen und es Siff gleichzutun, nämlich die Gedanken als nichtlinear anzuerkennen, ohne sich selbst dafür zu verurteilen, dass Gedanken auftauchen.

Auf eindrucksvolle Weise gelingt es Siff, mich so neugierig zu machen, dass ich mich den eigenen Gedanken in der Meditation noch einmal auf eine ganz neue Weise öffne: wach, offen und neugierig. Und wenn ich das tue, erkenne, dass die Gedanken tatsächlich kein Feind sind. Und erstaunlicherweise wird es mit dieser Haltung dann auch schon wieder um einiges ruhiger im Kopf. Denn erst wenn alles da sein darf, kann sich das, was da ist, auch verändern.

Besonders gefallen hat mir Jason Siffs eigene Beschreibung seines Meditationsstiles als „unstrukturiert“ – und das im besten Sinne: Dem Meditierenden bleibt alle Freiheit, sich mit den eigenen Gedanken zu beschäftigen, es gibt keine Vorgaben, außer ihnen freien Lauf zu lassen und in aller Ehrlichkeit und Offenheit nachzuspüren. Ein Ansatz, der mich an Krishnamurtis freiheitliches Denken und Da-Sein erinnert hat und eine große Weite im Inneren auslöst.

Erstaunlich ist es, wie jemand über so ein wichtiges Thema wie dem Erleben in der Meditation so klar und nachvollziehbar berichten kann. Wie gesagt, nach anfänglicher Skepsis hat das Buch mich völlig in seinen Bann gezogen und mir ganz neue Aspekte eröffnet.

Deswegen kann ich es uneingeschränkt empfehlen und warte nun auf das nächste Retreat mit Jason Siff, die der Arbor Verlag in Deutschland organisiert.

Weitere Informationen unter: arbor-seminare.de

Jason Siff: Die Gedanken sind nicht der Feind. 256 Seiten, Arbor Verlag, 19,90 EURO
ISBN-13: 978-3867811798
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